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MOZOM-analyse

AfD an der Spitze der Umfragen: Wächterjournalismus oder Framing gegen einen Wählerblock?

Type: Analyse Autor: die MOZOM.nl-Redaktion Published: 26 juli 2026 om 09:35 Report a correction
Redaktionelle Karikatur, in der Journalisten Radikal-, Extrem- und Risiko-Stempel vor einer Wahltafel und eine große Gruppe von Wählern an einer Wahlurne halten.
Quelle
NOS, NU.nl, AD, Tagesschau, ZDF, Der Spiegel, Verfassungsschutz-context, Reuters, Wahlrecht en Politico Poll of Polls
MOZOM-Titel
AfD an der Spitze der Umfragen: Wächterjournalismus oder Framing gegen einen Wählerblock?
Originaltitel
AfD in Medien und Umfragen: Wann wird kritischer Journalismus zur politischen Delegitimierung?
Autor
die MOZOM.nl-Redaktion
Datum
26 juli 2026 om 09:35
Thema
MOZOM untersucht, ob es sich bei der Berichterstattung über die AfD hauptsächlich um gewöhnlichen Überwachungsjournalismus handelt oder ob ein Wählerblock durch wiederholte Verwendung von Etiketten und Sicherheitsmängeln politisch delegitimiert wird.

Zusammenfassung des Originalberichts

In deutschen und niederländischen Mainstream-Medien ist die AfD weit mehr als eine gewöhnliche Oppositionspartei. In Berichten wird die Partei regelmäßig mit Extremismusforschung, demokratischen Risiken, der Brandmauer-Diskussion, Einwanderungskonflikt und der Frage in Verbindung gebracht, ob eine Zusammenarbeit mit der AfD politisch vertretbar ist. Dieses Vorgehen hat eine sachliche Grundlage: Der deutsche Inlandsgeheimdienst hat der AfD im Jahr 2025 eine strengere Einstufung erteilt, woraufhin diese Einstufung gerichtlich angefochten und laut Reuters bis zum Verfahren vorübergehend nicht aktiv als festes Etikett genutzt wurde. Gleichzeitig liegt die AfD laut Umfragen bei rund 26 bis 29 Prozent und ist damit teilweise größte oder fast größte Partei. Das ist nicht die Mehrheit des Volkes, sondern ein großer Wählerblock, den man nicht einfach als Randerscheinung abtun kann.

Eigene Quellenrecherche: Label, Umfrage und Wählerblock

MOZOM hat seine Berichterstattung entlang dreier Achsen strukturiert. Zunächst die Bezeichnungen: Begriffe wie Rechtsradikale, Rechtsextreme und Demokratierisiko kommen nicht aus dem Nichts, sondern werden häufig mit Verfassungsschutz, Gerichtsverfahren, Äußerungen von AfD-Politikern und der deutschen Brandmauerdebatte in Verbindung gebracht. Dann die Umfragen: Übersichten wie Wahlrecht und Politico zeigen, dass die AfD in der deutschen Parteipolitik an der Spitze liegt. Je nach Meinungsforscher und Messzeitpunkt liegt die Partei etwa im oberen Zwanzigprozentbereich, oft neben oder über CDU/CSU und deutlich vor SPD, Grünen und FDP. Drittens die demokratische Bedeutung: Eine Partei mit etwa einem Viertel bis fast einem Drittel der Wähler ist nicht „der größte Teil des Volkes“, aber sie ist ein starkes Wahlsignal. Genau aus diesem Grund ist die Frage relevant, ob Medien hauptsächlich informieren oder auch normieren, welche Wahlmöglichkeiten gesellschaftlich akzeptabel sind.

Von der Partei zum Risikoobjekt

Das Auffällige daran ist nicht, dass die AfD kritisch beobachtet wird. Das ist Teil des Journalismus. Auffallend ist, dass die AfD in vielen Berichten seltener als gewöhnliche Partei mit Wählern, Programm und Machtstellung auftritt, sondern häufiger als Risikoobjekt: als Bewährungsprobe für die Demokratie, als Problem für die Koalitionsbildung, als Fallbeispiel für Sicherheitsdienste. Dieser Rahmen kann gerechtfertigt sein, wenn konkrete Tatsachen Anlass dazu geben. Wenn der Rahmen jedoch zur Standarderöffnung wird, kann dies dazu führen, dass die politische Entscheidung von Millionen Wählern bereits moralisch vorkodiert ist, bevor die inhaltliche Diskussion beginnt.

Wahlgewinn ist kein absoluter Volkswille

Die Behauptung, die AfD vertrete „den Willen des Volkes“, erfordert Präzision. Wenn die AfD in Umfragen bei rund 28 Prozent liegt, könnte sie die größte Partei oder der größte politische Block sein. Das bedeutet nicht, dass eine Mehrheit der Deutschen die AfD unterstützt. Es bedeutet, dass ein sehr großer Teil der Wähler eine Botschaft sendet, die von den Medien und den politischen Parteien ernst genommen werden muss. Wer dies lediglich als Extremismusproblem betrachtet, verfehlt möglicherweise die gesellschaftlichen Ursachen: Migration, Kaufkraft, Vertrauen in Institutionen, Ukraine-Politik, Energiepreise, Sicherheit und Unzufriedenheit mit etablierten Parteien.

Mögliche Botschaft hinter der Nachricht

Die sichtbare Botschaft vieler Mainstream-Berichterstattungen lautet: Die AfD ist keine gewöhnliche Partei, sondern eine Gefahr für die demokratische Ordnung. Die Gegenbotschaft von AfD und Sympathisanten lautet: Etablierte Parteien und Medien versuchen, einen wachsenden Wählerblock zu stören. Die MOZOM-Lesung ist, dass beide Behauptungen nur dann fair bewertet werden können, wenn die Etikettennutzung und die Umfragerealität verglichen werden.

Neutrales Fazit

Die Aussage, es gäbe nachweislich eine koordinierte Mainstream-Anti-AfD-Bewegung, geht aufgrund öffentlicher Quellen zu weit. Aber die Aussage, dass die AfD strukturell unter Risikogesichtspunkten behandelt wird, ist vertretbar. Das könnte teils Überwachungsjournalismus und teils politische Standardisierung sein. Gerade weil sich die AfD in Umfragen um die größte Partei bewegt, wird die mediale Frage schärfer: Wann schützt der Journalismus die Demokratie und wann trägt er dazu bei, einen großen Wählerblock gesellschaftlich und politisch außerhalb der normalen Diskussion zu platzieren?

Quelle:

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